Club Puschkin Dresden

Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr

Datum: Freitag, 15. November
Uhrzeit: 20:00 Uhr

Kategorie/n: → Konzerte

Eintritt: VVK: 15,00 € zzgl. Gebühren | AK: TBA

Wie alles begann:
Bassisten sind schon seltsame Wesen: Sie stehen selbst nicht gern im Mittelpunkt und genießen ihr Dasein stattdessen lieber im hinteren – und vor allem weniger ausgeleuchtetem – Bereich der Bühne. Sie sind schüchtern, stets in sich gekehrt und verstecken ihre Talente genau deshalb in der Regel hinter den 4- oder 5 Saiten ihres oftmals unbeachteten Instruments. Und manchmal schreiben sie eben auch Bücher. So wie ich:

Es sind die 80er-Jahre, Deutschland ist geteilt in BRD und DDR. In Potsdam lebt der musikverrückte Mike, der zusammen mit seinen Kumpels Floyd und Porni von einer Zukunft als erfolgreicher Musiker und von einem Leben in Freiheit träumt. Mikes Träume scheinen in greifbare Nähe zu rücken, als er die Zulassung für ein Musikstudium in Berlin erhält: Endlich weg aus der Provinz, ein neues Leben in der Metropole und die Musik soll jetzt endlich die Hauptrolle in seinem Leben spielen. Doch bald bekommt Mike zu spüren, was es heißt, als Freigeist im totalitären System der DDR überleben zu müssen. Dazu kommen die erste große Liebe und der Schmerz über ihren Verlust, die unstillbare Sehnsucht nach Freiheit, der Verlust eines guten Freundes, der in die BRD flüchtet, und immer wieder die limitierenden Grenzen der DDR-Bürokratie, die Mike das Leben seines Traumes so schwer machen. Mike genießt seinen plötzlichen Ruhm im allzu kurzen Bluessommer zwar sichtlich, trotzdem zweifelt er stets an sich selbst. Auf der Suche nach der Freiheit ist der Weg das Ziel, diese Erkenntnis von Mike lässt lange auf sich warten.

Mein Romandebüt „Bluessommer“ erschien am 8.Mai 2017 bei LAGO, einem Label der Münchner Verlagsgruppe. Im darauffolgenden November startete dann die dazugehörige Lesetour quer durch die Republik. Da es mir als zu langweilig erschien, einfach nur aus einem Buch vorzulesen, in dem eigentlich die Musik der Blues- und Hippieszene der DDR im Mittelpunkt steht, hatte ich mich dazu entschlossen, mir eine Band zur Verstärkung zu holen, um das Ganze auch musikalisch zu untermalen. Von Anfang an mit dabei sind Brian Bosse, Gitarrist und Sänger der Freygangband, Albrecht Steinfort, seines Zeichens Schlagzeuger der Berliner Band Illi Noise und mein langjähriger Freund und Bandkollege Michael Rhein von In Extremo. Diese Lesereise war von Anfang an als ein zeitlich begrenztes Projekt angelegt, welches sich nur über ein Jahr erstreckten sollte und führte uns unter anderem durch die bluesverrückten Hochburgen der Szene in Sachsen, Thüringen, der Altmark und der Lausitz über Berlin, Hamburg und Wacken bis hinüber nach Hannover, Frankfurt am Main und Köln.

Die Konzertreise:
Was bleibt unter dem Strich? Die Musik, denn natürlich hatten wir während unserer Tournee durch die alten und neuen Läden Blut geleckt und beschlossen, noch ein paar Konzerte anzuhängen. Der Bluessommer hatte eben auch bei uns tiefe Spuren hinterlassen und hallte nach – auch nach so vielen Jahren noch. Dass sich die Band Monomann nennt – genau wie die Band meines Bluessommer-Protagonisten Mike – liegt auf der Hand, dass wir vor allem die Musik aus eben jenem kurzen Sommern spielen, sicherlich auch. Dass wir damit einer Band wie Freygang Tribut zollen, die uns bis heute prägt und ohne die unsere Geschichte und späteren Karrieren wohl anders verlaufen wären, wollen wir natürlich nicht verschweigen – Ähnlichkeiten und Parallelen sind bei Monomann also durchaus erwünscht.

Die eigentliche Reise zum Buch haben wir mit einer letzten Lesung/Konzert im November 2018 in Sondershausen beendet, doch schon vorher gab es immer wieder Anfragen nach weiteren Konzerten der Band. Und nun, nach einem großartigen Auftritt in der Nähe von Berlin, der eigentlich unseren Abgang einläuten sollte, haben wir beschlossen, die Band Monomann nicht sang- und klanglos sterben zu lassen, sondern so lange weiterzumachen, wie man uns hören möchte, wenn auch nur als kleineres Projekt neben unseren eigentlichen Aufgaben. Wir finden, dass es noch eine Menge weiterzugeben und zu erzählen gibt aus den 80ern, einer Zeit, die uns geprägt hat wie keine andere – und die uns schließlich zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Außerdem gibt es unendlich viele Songs, die einen ein ganzes Leben nicht wieder loslassen, Songs aus der Blues- und Hippieszene eines verschwundenen Landes, in der es – trotz allem – eine kunterbunte Szene und viele Nischen gab, an die wir erinnern möchten. Und viele dieser Songs haben auch heute noch eine Bühne verdient.

Über den Autor:
Kay Lutter, geboren 1965 in Potsdam, bekam an seinem 9. Geburtstag einen Bass geschenkt und blieb dem Instrument seitdem treu. Nach diversen Stationen in der Musikszene, u.a. als Mitglied der legendären DDR- Kultband Freygang, ist er seit 1996 Bassist der erfolgreichsten deutschen Mittelalter-Rock-Band In Extremo. Er schreibt seit einigen Jahren Gastbeiträge für Magazine und Bücher (u.a. Bye, Bye Lübben City) und zeichnet sich auch für viele der Songtexte von In Extremo verantwortlich. Kay Lutter lebt mit seiner Familie in Berlin. Bluessommer ist sein Debütroman.